Neues von Giulia Enders

„Ich werde jetzt nicht mit dem Buch ‚Alles über die Niere’ um die Ecke kommen“

Was haben der zweite Teil von „50 Shades of Grey“ und „Darm mit Charme“ gemeinsam? Beide Bücher wurden 1,7 Millionen mal in Deutschland verkauft. Die Autorinnen beschäftigen sich beide mit Tabus, doch „Darm mit Charme“-Autorin Giulia Enders gelang der Coup vor zwei Jahren nicht etwa mit blumiger Belletristik, sondern mit einem eigentlich furztrockenen Thema: Einen Sachbuch über den Darm. Die Medienwelt berichtete, und Enders und der Darm gerieten ins Rampenlicht. Doch seit 2014 gab die 26-Jährige nur noch selten Interviews – sie wollte sich auf ihr Medizinstudium konzentrieren.

Doch mit studiCED hat sie jetzt gesprochen: Über ihre Pläne für ein zweites Buch, wieso sie trotz ihres Bestsellers nicht die Füße hochlegen will – und warum ihre Gastro-patienten sie nicht mal dann erkennen, wenn sie vor ihnen steht.

studiCED: Vor zwei Jahren hast du mit „Darm mit Charme“ einen Bestseller geschrieben. Was ist seitdem passiert?

Giulia: Ich war mit meinem Buch auf Lesetour, habe mein schriftliches Staatsexamen bestanden, mein praktisches Jahr begonnen und war zwei Monate in einem Krankenhaus in Tokio. Im letzten Quartal 2016 habe ich meine letzte mündliche Prüfung, dann bin ich fertig mit dem Studium. Meine Doktorarbeit über das Bakterium Acinetobacter baumannii muss ich noch abgeben.

Und was hast du dann vor?

Ich möchte eine Facharztausbildung in Gastroenterologie machen – und sie auch meistern. Wo habe ich aber noch nicht entschieden. Entweder bleibe ich hier bei Freunden und Familie in der Nähe von Mannheim, oder ich gehe doch noch mal etwas weiter weg. Alternativ könnte ich auch erst mal noch hier bleiben, in zwei oder drei Jahren den Ausbildungsort wechseln, mal sehen.

Jetzt kommt natürlich die Frage, die sich alle stellen: Was ist mit einem neuen Buch?

Ich bin da ganz entspannt. Man soll ja nichts ausschließen, aber was ich bestimmt nicht mache, ist jetzt mit „Alles über die Niere“ um die Ecke zu kommen (lacht). Der Darm ist nun mal mein Lieblingsorgan, und wenn man sich zu irgendeinem anderen Organ was zusammensuchen würde, würde das nur schlecht werden. Aber kleine Projekte kann ich mir durchaus vorstellen.

Zum Beispiel?

Es sollen Projekte sein, wo die Leute auch was davon haben, dass ist mir wichtig. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, kurze Videos für Patienten machen – zu Themen wie „Was muss ich vor einer Darmspiegelung wissen?“

Du arbeitest ja während deiner Ausbildung in der Frankfurter Uniklinik auch auf der Gastroenterologie-Station. Erkennen dich deine Patienten?

Giulia (lacht): Nein, man erkennt mich kaum. Manche sitzen sogar vor mir, lesen mein Buch und merken es nicht.

Nanu?

Giulia (lächelt): Ich bin kleiner als man denkt, nur 1,64 Meter, dass macht sicher was aus.

Dabei ist doch ein Bild von dir auf dem Buchcover. Und dann sagst du nichts?

Nein – wieso denn auch? Das macht ja keinen Unterschied. Ich bin da und tue was ich kann, ob man mich kennt oder nicht.

Dabei sollte dich doch fast jeder kennen – schließlich war „Darm mit Charme“ 2014 und 2015 das meistverkaufe Sachbuch in Deutschland, und laut Spiegel-Bestsellerliste bist du 2016 immer noch auf Platz 2.

Ja, das ist doch schön. Mittlerweile wurden in Deutschland 1,7 Millionen Bücher verkauft, und die Rechte wurden in 36 Länder vergeben. In Frankreich, Skandinavien, den Niederlanden und England läuft der Verkauf besonders gut. Scheint eine Art Phänomen zu sein (lacht).

In der Tat! Und was machst du mit dem ganzen Geld?

Nur sinnvolle Sachen, wirklich. Ich setze mich jetzt auf keine Insel und hab’s auch nicht vor. Ich habe mir einige Tickets für die teuren Medizinkongresse gekauft, aber mehr nicht. Ich sehe im Krankenhaus jeden Tag, wie viel wichtiges Ärzte jeden Tag tun. Da sehe ich: Ich möchte genau das machen. Durch das Geld aus den Buchverkäufen habe ich in meinem Beruf jetzt alle Freiheiten.

Wie meinst du das?

Ich muss nicht sofort auf irgendeiner Station anfangen und da bleiben, obwohl man mich schlecht behandelt. Ich weiß, dass ich noch einen anderen Beruf, nämlich einen als Autorin habe. Das gibt mir die Freiheit, nur wirklich sinnvolle Dinge zu tun. Das ist das wertvollste, was mir das Buch und vor allem meine Leser gegeben haben.

Das klingt sehr ernst. Spürst du als Autorin eines Medizinbuchs eine besonders große Verantwortung?

Ja, denn die Käufer des Buchs haben mir die große Freiheit der Wahl ermöglicht. Das nehme ich ernst: Man darf von mir sinnbasierte Entscheidungen erwarten.

Hast du wegen des Buchs und der Lesereisen eigentlich länger studiert?

Nicht soo sehr. Ich habe vielleicht ein Jahr länger gebraucht. Aber es dauert ja jetzt auch nicht mehr lange, bis ich fertige Ärztin bin.

Viele Patienten sehen die jungen Ärzte, die gerade aus der Ausbildung kommen, ja meist noch nicht als „fertig“ an, weil ihnen die Erfahrung fehlt.

Das stimmt. Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen wissen sehr viel über ihre Krankheiten – teilweise auch mehr als ein frisch gebackener Arzt. Ich nehme mich davon nicht aus. Alles was ich tun kann ist: Ehrlich zu sein, neugierig dazulernen zu wollen und mein Fachgebiet zu lieben. Der Rest kommt dann mit der Zeit.

studiCED: Da sind wir sicher! Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Sabrina (Öffentlichkeitsarbeit studiCED)
Foto: Gerald von Foris

11 Gedanken zu „Neues von Giulia Enders“

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    an dieser Stelle möchte ich ein Lob für Giulia Enders loswerden. Auch dieses Interview ist wieder einmalig. Ich bin ein ganz großer Fan von Frau Enders, seit ich sie im Fernsehen gesehen habe. Ich habe mir daraufhin alles angesehen, was ich im Netz gefunden habe. Mir gefällt, mit welcher Begeisterung sie über Ihr Arbeit berichtet. Das ist einmalig! Ich freue mich über ihren Erfolg und hatte mir die selben Gedanken gemacht.
    Alles Gute für die Zukunft von Frau Enders!

  2. Giulia.. Ich find dich einfach nur toll.
    Mach weiter so. Du bist ein riesen großer Gewinn für alle Menschen
    dieser schönen Welt.
    Alles liebe und gruß an deinen Darm….

  3. Mich hat „Darm mit Charm“ sehr begeistert und zwar deswegen, weil schwierige medizinische Zusammenhänge in einer sehr llebenswerten und profunden Weise beschrieben wurden.
    Nun würde mich interessieren wie Sie, Frau Giulia Enders, die o.g. Sachverhalte mit der grundlegenden gesundheitserhaltenden Bedeutung des Atems in Verbindung bringen könnten. Die Medizin ist ja nicht alles. Dazu gibt es ein grundlegendes Buch von J.L. Schmitt, Dr. med, „Atemheilunst,8, Aufl. 2009, erste A. 1966. Seine Ananlyse finde ich beeindruckend, seine Therapievorschläge mangelhaft. In der Arbeit von Ch. V. W. Brooks, Erleben durch die Sinne, Junfermann, 9. Aufl. 1997, sehe ich eher einen ganzheitlichen, einem Menschen würdigen Umgang mit dem Atemgeschehen beschrieben. Ihre Sicht würde mich interessieren.

  4. guten tag sehr geehrte frau enders,
    ich habe ihr tolles buch verschlungen und bin begeistert.
    leider bin ich nach einem krankenhausaufenthalt betroffen.
    ich habe eine überdosis antibiotika bekommen. das ergebnis eine schlimme allergie und probleme mit dem magen. in ihrem buch schreiben sie auch über dieses thema. sehr gern hätte ich einen kontakt zu ihnen. ein besuch bei meinem hausarzt brachte kein befriedigendes ergebnis, ausser der androhung eine darmspiegelung. ich bin sehr traurig, dass man mir das angetan hat. vielleicht können sie mir eine empfehlung geben.
    vielen dank! freundliche grüße gabriele scheel

  5. Liebe Frau Enders, Ihr Buch habe ich verschlungen! So witzig und interessant. Kompliment.
    Kann es nicht sein, dass wir z. B. das Thema Magersucht neu bewerten müssen? Immer nur die (krankhafte) Suche nach psychischen Problemen und Traumen in der Kindheit ist für mich keine Lösung. Schließlich gibt es zig Personen, die mit viel traumatischeren Erlebnisse fertig wurden, ohne an z. B. einer Essstörung wie Magersucht zu erkranken. Was denken Sie dazu? Gibt es möglicherweise bereits Forschungsansätze?
    Beste Grüße und alles Gute für Sie,
    Marc Natterer

  6. Sehr geehrte Frau Enders,
    soeben las ich ihr Buch „Darm mit Charme“ zu ende. Beeindruckend, mit welchem Engagement sie arbeiten und neben ihrem Studium dieses Buch verfassten. Dennoch hat mich der Inhalt verärgert. Es wird mit keinem Wort der „Zwölffingerdarm“ erwähnt. Er ist immerhin 30 cm lang. Der Zwölffingerdarm wird in einem Buch , ausschließlich über den Darm, namentlich nicht erwähnt und beschrieben !!! Nachdem mir dieser in einer Whipple Operation entfernt wurde, hätte ich gerne etwas über diesen Darmabschnitt gelesen.
    Können sie mir dafür eine Erklärung geben? Weshalb unterschlagen sie diesen sehr wichtigen Teil?
    MfG Roswitha Egger

  7. Liebe Frau Enders, habe heute den Artikel im Stern gelesen. Bitte forschen Sie unbedingt weiter. Helfen Sie, schädliche Bakterien im Darm zu eliminieren und dabei die guten zu erhalten oder aufzubauen. Es gibt ein Hirn, ein Bauch-Hirn – vielleicht gibt es auch ein Darm-Hirn… Die Wurzel allen Übels könnte im Darm verborgen sein.
    Beste Grüße und viel Glück
    Sommer

  8. Hallo Giulia,
    habe heute mit viel Freude aber auch etwas Traurigkeit das Hörbuch zum Buch zu Ende gehört. Freude, weil es bis zuletzt informativ und zugleich witzig (vor allem vorgetragen) ist und Traurigkeit, weil man wohl sobald oder nie (?) wieder etwas von Dir lesen oder hören wird? Zu verkraften, wenn Du denn dann eine erstklassige Medizinerin wirst.

    Liebe Grüße

    Wolfgang B. aus H.

  9. Sehr geehrte Giulia Enders! Meine Frau und ich haben Ihr Super Darmbuch nit großem Interesse und Spass gelesen. Ich hätte eine Frage an Sie bezüglich des Darmbakteriums Lactobacillus Rhamnosus Jb-1. Könnten Sie mir einen Hinweis geben ob und wo man genau diesen Bazillus kaufen könnte. Vielen Dank und alles Gute für Ihr weiteres Leben und Wirken,Bruno Elzenbaumer

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