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Erst Hilfe gesucht, jetzt Helfende

Die Diagnose Morbus Crohn verändert das Leben tiefgreifend und maßgeblich. So empfand es auch die Berlinerin Csilla D.*, die mitten in ihrem Bachelorstudium an der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED) zu leiden begann. Eine schwierige Zeit für die Architekturstudentin. Immer wieder musste sie mit sozialen Barrieren und dem Unverständnis von Professoren und Kommilitonen kämpfen. Bei Gruppenarbeiten beispielsweise hatte kaum ein Kommilitone Verständnis für ihre nach außen nicht sichtbare Krankheit, wenn sie die zugeteilten Aufgaben nicht rechtzeitig erledigen konnte. Eventuelle Ausfälle wurden nicht toleriert. „In einer Situation, in der ich Hilfe gut hätte gebrauchen können, fühlte ich mich oft allein gelassen“, sagt Csilla

Eigene Initiative

Bei „studiCED“, einem bundesweiten Selbsthilfe-Netzwerk für Studenten, fand sie schließlich Rat und Beistand. Sie erfuhr, welche unterstützenden Maßnahmen ihr zustehen, um Zeit zu haben, ihre Kurse abzuschließen. Darüber hinaus konnte sie ihre Erfahrungen mit anderen Betroffenen austauschen. „Es berührte und beeindruckte mich, wie sehr sich hier für die Belange von Studierenden mit CED eingesetzt wurde. Ich merkte, was alles möglich war. Das weckte in mir das Bedürfnis, selbst tätig zu werden“, erinnert sich die heute 28-Jährige. Gesagt getan. Csilla kontaktierte die Behindertenbeauftragte ihrer Universität und gründete mit deren Unterstützung ‚unlimited‘. Die erste Initiative für Studierende mit Behinderung und chronischen Erkrankungen an der TU Berlin.

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Wichtige Rolle

Wie Menschen mit einer Behinderung die Welt um sich herum wahrnehmen, interessiert Csilla seit ihrer eigenen Erkrankung sehr. Deshalb beschäftigt sie sich in ihrer Masterarbeit auch damit, wie sehbehinderte Studierende den Campus erfahren. „Ich möchte zeigen, wie blinde Menschen sich auf dem Campus bewegen, woran sie sich orientieren. Dinge, die sehenden Menschen überflüssig erscheinen, können für Blinde eine wichtige Rolle spielen.“ Auch beruflich möchte sich Csilla in Zukunft weiter mit dieser Thematik auseinandersetzen: „Als Architektin geht es mir nicht nur darum, barrierefreie öffentliche Orte und Gebäude. Mich interessiert auch, wie Menschen mit Behinderung sie tatsächlich nutzen.“

Csilla musste bisher ihr ganzes Studium mit Bafög und Nebenjobs selbst finanzieren. Gerade in Krankheitsphasen war der Umgang mit den finanziellen und existenziellen Ängsten eine extreme Tortur. Mit dem Stipendium der Stiftung Darmerkrankungen kann Csilla sich mit all ihrer Energie auf ihr Studium konzentrieren. „Das Stipendium ermöglicht es mir, die Masterarbeit in dem Tempo zu schreiben, das die Erkrankung zulässt und bietet mir den Freiraum, den ich brauche. Durch die finanzielle Entlastung habe ich auch mehr Zeit für meine Initiative“, freut sie sich.

 

*Name der Redaktion bekannt

Manfred Wolf / Bild: Privat

Quelle: http://www.abendblatt-berlin.de

 by Redaktion-Online in Charlottenburg-Wilmersdorf, Menschen