Schwerbehindertenausweis

Einleitung

„Nein, ich will keinen Schwerbehindertenausweis, dann kriege ich doch nie einen Job!“
Wer so argumentiert, verfügt eventuell nicht über die richtigen Informationen.

An dieser Stelle möchten wir auf eine Pressemitteilung des Bundesarbeitsgerichtes verweisen:

Bundesarbeitsgericht

Wer allerdings den GdB nicht angibt, erhält dann logischerweise auch kein Recht auf Sonderurlaub etc.

Sagen wir also, dass ihr angestellt seid, dem Arbeitgeber aber nicht gesagt habt, dass ihr schwerbehindert seid. Wenn er euch nun kündigen will, könnt ihr den Ausweis zücken und habt besonderen Kündigungsschutz.

Weiterhin erhält man durch die Schwerbehinderung ja gewisse Steuervorteile. Die kann man im Jahresausgleich geltend machen, allerdings sollte man dies natürlich nicht auf der Lohnsteuerkarte vermerken, sonst erfährt der Arbeitgeber ja davon.

Zudem ist es möglich, sich ohne Bekanntmachung der Schwerbehinderung anstellen zu lassen und später den Ausweis vorzuzeigen. Dann erhält man die gleichen Rechte, also Sonderurlaub etc.

Die Frage ist dann ja, wie gut das Arbeitsverhältnis (dann noch) ist. Schließlich kann sich ein Arbeitgeber dann leicht hintergangen fühlen. Zudem sollte man in so einem Fall die 6-monatige Probezeit abwarten.

Es ist eigentlich alles eine Frage des Verkaufens. Der Arbeitgeber kriegt doch die volle Arbeitsleistung (außer ihr seid mal so richtig krank) und muss keinen Ausgleichsbetrag zahlen, da Arbeitgeber ja einen gewissen Anteil an Behinderten anstellen müssen und „Strafe“ zahlen, wenn sie dies nicht tun.

Studium und chronische Erkrankung

Es gibt viele Vorteile eines Schwerbehindertenausweises im Studium: Erlass/Ermäßigung der Studiengebühren, vereinfachte Antragsstellung und viele mehr. Für diese Vorteile reicht auch ein entsprechendes fachärztliches Gutachten, allerdings ist dies meist mit mehr Aufwand verbunden, da die Hochschulen CED meist nicht kennen und ein Schwerbehindertenausweis die Anerkennung vereinfacht.

Studenten sind in dem Sinne nicht direkt gleichgestellt, allerdings ist es auch nicht notwendig, da  Hochschulgesetze eigene Nachteilsausgleiche bei chronisch Kranken und behinderten Menschen vorsehen.

Im Beruf kann man eine Gleichstellung auch mit einem GdB von unter 50 (aber mindestens 30) beantragen.

Warum beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis?

Da gibt es viele Gründe! Steuerliche, finanzielle, berufliche…

Im Studium sollte zudem viel bürokratischer Aufwand erleichtert werden, durch so einen Ausweis bzw. die Gleichstellung. Die Studiengebühren können erlassen oder ermäßigt werden (abhängig vom Bundesland).

Im Berufsleben erhalte ich Sonderrechte: Kündigungsschutz, Sonderurlaub, frühere Rente…

Wo beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis?

Beim zuständigen Versorgungsamt. Dort erhält man die Anträge auf Anfrage oder sie stehen direkt zum Download bereit. Wenn ihr nicht wisst, welches Versorgungsamt für euch zuständig ist, dann schaut auf der Homepage der Stadtverwaltung nach, ruft an und fragt nach.

Oder fragt euren behandelnden Arzt! Die haben die Anträge in der Regel schon in der Praxis.

Wie beantrage ich einen Schwerbehindertenausweis?

Füllt den Antrag des Versorgungsamts aus. Nennt all eure Ärzte, all eure Krankheiten, all eure Krankenhausaufenthalte und und und…

Zudem ist es immer wichtig, ein persönliches Schreiben hinzu zu fügen, in welchem ihr euer Leben einem Laien erklärt und natürlich auf die „Behinderungen“, die diese Krankheit mit einher bringt eingeht.

Informiert eure Ärzte!!! Es ist ganz wichtig, dass die Ärzte, die ihr in dem Antrag aufgeführt habt, auch informiert, damit sie die richtigen Informationen weiterleiten. Sie sollten auch mal mehr Informationen mitschicken als jene, die verlangt werden.

Wonach wird der Grad der Behinderung bei einer CED bewertet?

„Im Prinzip danach, wie oft ihr auf die Toilette geht.“

Die genauen Staffelungen findet ihr hier zusammen gefasst.

GdB
10-20 mit geringer Auswirkung (geringe Beschwerden, keine oder geringe Beeinträchtigung des
Kräfte- und Ernährungszustandes, selten Durchfälle)
30-40 mit mittelschwerer Auswirkung (häufig rezidivierende oder länger anhaltende Beschwerden,
geringe bis mittelschwere Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, häufiger
Durchfälle)
50-60 mit schwerer Auswirkung (anhaltende oder häufig rezidivierende erhebliche Beschwerden,
erhebliche Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes,
häufige, tägliche, auch nächtliche Durchfälle)
70-80 mit schwerster Auswirkung (häufig rezidivierende oder anhaltende schwere Beschwerden,
schwere Beeinträchtigung des Kräfte- und Ernährungszustandes, ausgeprägte Anämie)

 

Dabei ist zu Beachten:

Fisteln, Stenosen, postoperative Folgezustände (zum Beispiel Kurzdarmsyndrom, Stomakomplikationen), extraintestinale Manifestationen (zum Beispiel Arthritiden), bei
Kindern auch Wachstums- und Entwicklungsstörungen, sind zusätzlich zu bewerten.

Ein Schwerbehindertenausweis für CED-Kranke ist in der Regel auf zwei Jahre befristet, da die Krankheit sich ja auch verbessern kann. Dann wird der GdB mit einem Antrag auf Verlängerung wieder überprüft. Allerdings kann es bei der Verlängerung irgendwann auch mal zu einer 5jährigen Frist kommen, also nicht mehr nur 2jährig.

Ich habe zwar einen GdB > 50, möchte aber keinen Schwerbehindertenausweis mehr besitzen, was tue ich dann?

Entweder abwarten bis der Ausweis ausläuft und ihn bis dahin nicht erwähnen oder beim Versorgungsamt einen Antrag auf erneute Überprüfung stellen, woraufhin der GdB infolge geringer werden kann und evtl. auch unter 50% fällt. 

Der GdB ist zu gering, wie lege ich Widerspruch ein?

Widerspruch sollte immer eingelegt werden, wenn ihr denkt, dass der GdB zu gering bewertet wurde! Innerhalb von einem Monat nach dem Bescheid über den GdB, sollte ein Widerspruchsantrag geschrieben werde, in dem man auch um die Kopien der Unterlagen der Ärzte bittet. Nach Erhalt der Unterlagen hat man dann wiederum einen Monat Zeit um den Widerspruch zu begründen.

Wenn ihr einen Widerspruch einlegen wollt, dann meldet euch bei uns! Wir helfen euch dann gerne weiter!

Übrigens: Wenn ihr (vor der ersten Antragsstellung) Mitglied der DCCV seid, dann bekommt ihr auch Sozialrechtsschutz.

Schwerbehinderte Menschen im Sinne des SGB IX sind Menschen bei denen ein Grad der Behinderung von wenigstens 50 vorliegt und die ihren Wohnsitz, ihren gewöhnlichen Aufenthalt oder ihre Beschäftigung auf einem Arbeitsplatz im Sinne des § 73 SGB IX rechtmäßig im Geltungsbereich dieses Gesetzbuches (Bundesrepublik Deutschland) haben (§ 2 Absatz 2 SGB IX).

Menschen sind behindert, wenn ihre körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und daher ihre Teilhabe am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist. Sie sind von Behinderung bedroht, wenn die Beeinträchtigung zu erwarten ist (§ 2 Absatz 1 SGB IX).

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